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DROGENSCHMUGGEL, -KONSUM UND - HANDEL IN THAILAND

Unter dieser Rubrik werden hier einzelne Beiträge zu einem der anhaltenden großen sozialen Probleme in Thailand verfaßt.
Touristen aufgepaßt: auf Drogenbesitz und -Handel stehen drastische Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe, wenn letztere auch durch königliches Dekret seit Jahren ausgesetzt wird. Wer einen hoffentlich abschreckenden Einblick in das Gefängniswesen Thailands haben möchte, der kann sich unter Band 1 orientieren und/oder auch die Studie zum Frauengefängnis in Chiang Mai als ebook erwerben.
Aktuelle spektakuläre Drogenfälle, durch die Presse gemeldet, stelle ich laufend auf meinen google+ account (reinhardservas) ein.
Daraus wird aus meiner umfangreichen Recherche heraus ein ebook zur never ending story Drogen entstehen.

Erstellt: 2017-08-11 23:16:58


GOLDENES DREIECK

Sofort sind die Assoziationen da: der goldene Schu√ü und: der Mann mit dem Goldenen Arm...ein ber√ľhmter Roman, aus den 1950 iger Jahren, in der Neuen Welt geschrieben.
Die Verbindung zum Dreieck gleicher Couleur: es handelt sich um riesige Drogenprobleme, die das Land immer wieder ernsthaft besch√§ftigen. War das Drogenproblem fr√ľher eher begrenzt auf Intellektuellen-, Reichen- und K√ľnstler- Kreise, so ist es heute bekanntlich ein Massen-Ph√§nomen, nicht nur in den Touristen - Zentren, sondern bis nach Nordamerika und Europa reichend.
Das goldene Dreieck ist die Bezeichnung f√ľr die abgelegene Region im L√§nderdreieck Thailand - Myanmar - Laos. Ber√ľhmt-ber√ľchtigt geworden ist diese Gegend unter anderem durch den Krieg in Vietnam im vorigen Jahrhundert. Thailand, mit dem Westen liiert, galt als Erholungs und R√ľckzugs- Gebiet f√ľr die amerikanischen GI s. Entsprechend dem hohen Rauschgiftkonsum, den das US-Milit√§r nicht in den Griff bekam, war die Nachfrage nach Opium/Heroin gro√ü. Sehr eindringlich ist das Drogen-Thema im bekannten Coppola-Film √ľber den Vietnamkrieg dargestellt. Krieg, Drogen, Mafia-Strukturen - eine mehr als unheilige Allianz. Personifiziert wird das Ganze im Film durch den √ľberzeugenden Schauspieler Marlon Brando, eine seiner gro√üen sp√§ten Rollen.
In den abgelegenen Gebieten des L√§nderdreiecks mit tausenden von Kilometern langen, gr√ľnen Grenzen war die Opiumgewinnung √ľber lange Zeit eine wichtige Einnahmequelle der Landbev√∂lkerung und der Hill Tribes, der eingewanderten Bergv√∂lker aus Tibet und China, zum Teil auch aus Laos stammend; es entwickelte sich ein reger Drogenschmuggel und -Handel. Die Region war seinerzeit wahrscheinlich der gr√∂√üte Rauschgiftversorger weltweit. Illegaler Schlafmohnanbau ist heute in Thailand weitgehend Geschichte, siehe hierzu auch den Artikel zu Kings Projects. Ein Museum (Hall of Opium) an der Grenzstra√üe Nr. 1290 erinnert heute noch an die Drogenanbau-Zeit. Allerdings noch immer gegenw√§rtig ist der Schmuggel und Handel vorwiegend mit synthetisch hergestellten Drogen. In Laos und Myanmar, ehemals Burma, stellt die Land- und Berg-Bev√∂lkerung diese gef√§hrlichen Stoffe her, auf der Grundlage billiger und frei zu erhaltener Medikamente. Der Drogenhandel in Thailand ist nat√ľrlich illegal, und er ist mafi√∂s organisiert.
Hier spielen Auslands-Chinesen und ehemalige national-chinesische Fl√ľchtlinge aus der Zeit der rotchinesischen Revolution im Norden von Thailand und als weitere Verteilstation in Bangkok - eine entscheidende Rolle.
Wo viel Geld im Spiel ist, ist Korruption nicht auszuschlie√üen. Das geht bis hinein in die Staaatsorgane. In j√ľngster Zeit zum Beispiel ist die gesamte Spitze einer wichtigen Polizei-Einheit aufgeflogen.
Ich hatte die Chance, thailändische Grenztruppen-Offiziere zu interviewen, die situativ entlang den unendlichen Grenzen gezielt Schwerpunkteinsätze gegen den Schmuggel von gefährlichen synthetischen Drogen gemeinsam mit anderen Sicherheitsorganen organisieren. Dabei gibt es durchaus Kooperationen mit den Sicherheitskräften der Nachbarländer, zu denen der thailändische Staat ansonsten nicht immer die besten diplomatischen Beziehungen hat (Stichworte: illegale Einwanderer und Schwarzarbeiter aus den Nachbarländern).
Da ich selbst in jungen Jahren Angehöriger des bundesdeutschen Grenzschutzes war, fiel es mir leicht, den Gesprächszugang zu den Offizieren zu finden. Auch die Sprache war kein großes Problem: ich hatte eine sehr gute Übersetzerin ins Englische aus meinen freundschaftlichen Kontakten.
Neben den Interviews konnte ich eine nächtliche Razzia mit großräumigen Straßensperren in der Stadt Chaiprakan, ziemlich nördlich, nahe der Grenze zu Myanmar gelegen, selbst miterleben. Alle Staatsbediensteten der Region wurden mit einbezogen, also nicht nur Polizei und Militär, sondern auch die Verwaltungskräfte mußten uniformiert, zum Teil auch bewaffnet, Ausfallstraßen an eigens errichteten Check Points kontrollieren. Besonders im Visier stand die Verbindungsstraße zur etwas außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen städtischen Siedlung chinesischer Einwanderer. In der Umgebung gibt es einige große Villen im Besitz chinesisch- stämmiger Thailänder. Sollten einige der Besitzer Drogenbosse sein, so werden sie vor Beginn von Razzien sicherlich gewarnt - Thema Korruption. Die kleinen Dealer hingegen gehen desöfteren ins Netz, darunter auch viele Frauen. Im regionalen Frauengefängnis von Chiang Mai sitzen zur Zeit gut 2.300 Frauen ein (Stand Mai 2016); die meisten wegen Drogendelikte. Siehe hierzu auch den Artikel: Thai-Massage und das ebook: Gefangen in Chiang Mai.
Das uns√§gliche Drogenerbe der √ľber 200j√§hrigen Opiumzeit, erneut befl√ľgelt durch den Vietnamkrieg, besch√§ftigt einen Gro√üteil der Sicherheitskr√§fte auch heute noch; die Gef√§ngnisse in Thailand sind voller Drogendealer und-Schmuggler. Mehr als 60 % aller Gefangenen in Thailand sitzen ein aufgrund von Drogendelikten, darunter ein Teil auch aus den westlichen Auslanden. Diese Untaten werden mit absolut drastischen Strafen, bis hin zur Todesstrafe, geahndet. Siehe auch den Artikel: Bangkok Hilton.
Auf www.arte.tv, 360 Grad Reportage, gab es am 21.10.2013 eine Doku-Sendung zum Thema Goldenes Dreieck; ebenfalls hörenswert die Sendung vom 24.06.2014 auf www.ndr.de mediathek: das Goldene Dreieck.

Erstellt: 2017-07-16 00:17:15
Link-, Medien- und Literaturverweise:
www.arte.tv, www.ndr.de


YABA PILLS

Im Gegensatz zu fr√ľher hat der Heroinkonsum in Thailand nicht mehr die zentrale Bedeutung. Heute werden zumeist synthetische Mittel auf Methamphetamin-Basis in Massen in Umlauf gebracht. Oft wird noch Koffein zugemischt. Zumeist in Myanmar und Laos, in kleinen Werkst√§tten, werden diese Suchtmittel zusammengebraut und durch organisierten Schmuggel √ľber die tausende von Kilometern lange Grenzen, kaum kontrollierbar, ins Land gebracht. Beg√ľnstigt wird die Herstellung der kurz Yaba Pills genannten Suchtmittel durch frei zug√§ngliche, preiswerte Pharmarka.
Anbetrachts √ľberbelegter Gef√§ngnisse, immerhin sitzen √ľber 60 % Insassen ein wegen Drogendelikte, √ľberlegt das Department of Corrections (Justizvollzug), neue Wege zu gehen. In Diskussion ist u.a., Gef√§ngnisse "light" f√ľr minder schwere F√§lle einzurichten.
In meinem ebook √ľber das Frauengef√§ngnis in Chiang Mai sind weitere Ans√§tze zur Haftreduzierung von Drogent√§tern nachzulesen.
Anfang Juli 2016 gab der amtierende Justizminister von Thailand √∂ffentlich zu, da√ü die bisherigen Ma√ünahmen zur Reduktion von Drogenkonsum und -Schmuggel nicht den gew√ľnschten Erfolg brachten.
Ob diese Aussage zu anderen konkreten staatlichen Ma√ünahmen f√ľhren wird, bleibt abzuwarten.
Aktuelle Meldungen zu Drogenproblemen in Thailand stelle ich ein auf meinen google+ account Reinhard Servas.

Erstellt: 2017-07-11 22:25:35