Blog:



DROGENSCHMUGGEL, - KONSUM UND - HANDEL IN THAILAND

Unter dieser Rubrik werden hier einzelne Beiträge zu einem der anhaltenden großen sozialen Probleme in Thailand verfaßt.

Touristen aufgepaßt: auf Drogenbesitz und -Handel stehen drastische Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe, wenn diese auch durch königliches Dekret seit Jahren ausgesetzt wird. Wer einen hoffentlich abschreckenden Einblick in das Gefängniswesen Thailands haben möchte, der kann sich unter Band 1 orientieren und/oder auch die Studie zum Frauengefängnis in Chiang Mai als ebook erwerben.

Aktuelle spektakuläre Drogenfälle, durch die Presse gemeldet, stelle ich laufend auf meinen google+ account (reinhardservas) ein.
Daraus und aus meinen umfangreichen Recherchen wird ein ebook zur never ending story Drogen in S√ľdostasien entstehen.


GOLDENES DREIECK

Sofort sind die Assoziationen da: der goldene Schu√ü und: der Mann mit dem Goldenen Arm...ein ber√ľhmter Roman, aus den 1950 iger Jahren, in der Neuen Welt geschrieben.
Die Verbindung zum Dreieck gleicher Couleur: es handelt sich um riesige Drogenprobleme, die das Land immer wieder ernsthaft beschäftigen.

War das Drogenproblem fr√ľher eher begrenzt auf Intellektuellen-, Reichen- und K√ľnstler- Kreise, so ist es seit dem Vietnamkrieg bekanntlich ein Massen-Ph√§nomen, nicht nur in den Touristen - Zentren Thailands, sondern bis nach Nordamerika und Europa reichend.

Das goldene Dreieck ist die Bezeichnung f√ľr die abgelegene Region im L√§nderdreieck Thailand - Myanmar - Laos.
Ber√ľhmt-ber√ľchtigt geworden ist diese Gegend unter anderem durch den Krieg in Vietnam im vorigen Jahrhundert. Thailand, mit dem Westen liiert, galt als Erholungs- und R√ľckzugs- Gebiet f√ľr die amerikanischen GIs. Entsprechend dem hohen Rauschgiftkonsum, den das US-Milit√§r nicht in den Griff bekam, war die Nachfrage nach Opium/Heroin gro√ü. Sehr eindringlich ist das Drogen-Thema im bekannten Coppola-Film √ľber den Vietnamkrieg dargestellt. Krieg, Drogen, Mafia-Strukturen - eine mehr als unheilige Allianz. Personifiziert wird das Ganze im Film durch den √ľberzeugenden Schauspieler Marlon Brando, eine seiner gro√üen sp√§ten Rollen.

In den abgelegenen Gebieten des L√§nderdreiecks mit tausenden von Kilometern langen, gr√ľnen Grenzen war die Opiumgewinnung √ľber lange Zeit eine wichtige Einnahmequelle der Landbev√∂lkerung und der Hill Tribes (Bergv√∂lker). Insbesondere Teile der eingewanderten und nicht immer se√ühaften Bergv√∂lker aus Tibet und China, zum Teil auch aus Laos stammend, entwickelten einen regen Drogenschmuggel und -Handel.

Einige der vor den Rotchinesen geflohenen nationalchinesischen Brigaden durften, von der Thai-Regierung geduldet und auch von westlichen M√§chten unterst√ľtzt, in der Gegend von MaeSalong in den n√∂rdlichen Bergen siedeln. Als K√§mpfer gegen die bis in die 1970er Jahre immer wieder einfallenden und Unruhe stiftenden kommunistischen Gruppen aus China waren sie gern gesehen. Regelrechte Kriegsherren im Norden Thailands und Burma (Myanmar) hatten einen gewissen Autonomiestatus und finanzierten sich und ihre milit√§rischen Ambitionen auch mit Drogengeldern.

US-amerikanische Geheimdienstkreise sollen sich in den 1970er Jahren nach journalistischen Darstellungen ebenfalls unr√ľhmlich im Drogenmileu bewegt haben.

Die Region war seinerzeit wahrscheinlich der größte Rauschgiftversorger weltweit. Illegaler Schlafmohnanbau ist heute in Thailand weitgehend Geschichte, siehe hierzu auch den Artikel zu den Kings Projects in der Reihe NORDTHAILANDREPORTER. Ein Museum (Hall of Opium) an der Grenzstraße Nr. 1290 erinnert heute noch an die Drogenanbau-Zeit.

Allerdings noch immer gegenw√§rtig ist der Schmuggel und Handel vorwiegend mit synthetisch hergestellten Drogen. In Laos und Myanmar, ehemals Burma, stellt die Land- und Berg-Bev√∂lkerung diese gef√§hrlichen Stoffe her, auf der Grundlage billiger und frei zu erhaltener Medikamente. Der Drogenhandel in Thailand ist nat√ľrlich illegal, und er ist mafi√∂s organisiert.
Hier spielen Auslands-Chinesen und ehemalige national-chinesische Fl√ľchtlinge aus der Zeit der rotchinesischen Revolution im Norden von Thailand - und als weitere Verteilstation in Bangkok - eine entscheidende Rolle.

Wo viel Geld im Spiel ist, ist Korruption nicht auszuschlie√üen. Das geht bis hinein in die Staaatsorgane. In j√ľngster Zeit zum Beispiel ist die gesamte Spitze einer wichtigen Polizei-Einheit aufgeflogen.

Ich hatte die Chance, thailändische Grenztruppen-Offiziere zu interviewen, die situativ entlang den unendlichen Grenzen gezielt Schwerpunkteinsätze gegen den Schmuggel von gefährlichen synthetischen Drogen gemeinsam mit anderen Sicherheitsorganen organisieren. Dabei gibt es durchaus Kooperationen mit den Sicherheitskräften der Nachbarländer, zu denen der thailändische Staat ansonsten nicht immer die besten diplomatischen Beziehungen hat (Stichworte: illegale Einwanderer und Schwarzarbeiter aus den Nachbarländern).
Da ich selbst in jungen Jahren Angehöriger des bundesdeutschen Grenzschutzes war, fiel es mir leicht, den Gesprächszugang zu den Offizieren zu finden. Auch die Sprache war kein großes Problem: ich hatte eine sehr gute Übersetzerin ins Englische aus meinen freundschaftlichen Thai-Kontakten.
Neben den Interviews konnte ich eine nächtliche Razzia mit großräumigen Straßensperren in der Stadt Chaiprakan, ziemlich nördlich, nahe der Grenze zu Myanmar gelegen, selbst miterleben. Alle Staatsbediensteten der Region wurden mit einbezogen, also nicht nur Polizei und Militär, sondern ebenfalls die Verwaltungskräfte mußten uniformiert, zum Teil bewaffnet, Ausfallstraßen an eigens errichteten Check Points kontrollieren. Besonders im Visier stand die Verbindungsstraße zur etwas außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen städtischen Siedlung chinesischer Einwanderer.
In der Umgebung gibt es einige große Villen im Besitz chinesisch- stämmiger Thailänder. Sollten einige der Besitzer Drogenbosse sein, so werden sie vor Beginn von Razzien sicherlich gewarnt - Thema Korruption. Die kleinen Dealer und Kuriere hingegen gehen desöfteren ins Netz, darunter auch viele Frauen. Im regionalen Frauengefängnis von Chiang Mai sitzen zur Zeit gut 2.300 Frauen ein (Stand Mai 2016); die meisten wegen Drogendelikte. Siehe hierzu auch den Artikel: Thai-Massage und das ebook: Gefangen in Chiang Mai.

Das uns√§gliche Drogenerbe der √ľber 200j√§hrigen Opiumzeit, erneut befl√ľgelt insbesondere durch den Vietnamkrieg, besch√§ftigt einen Gro√üteil der Sicherheitskr√§fte auch heute noch. Die Gef√§ngnisse in Thailand sind voller Drogendealer und-Schmuggler. Weit mehr als 60 % aller Gefangenen in Thailand sitzen ein aufgrund von Drogendelikten, darunter ein kleiner Teil auch aus den westlichen Auslanden. Die Drogen-Untaten werden mit absolut drastischen Strafen, bis hin zur Todesstrafe, geahndet. Siehe auch den Artikel: Bangkok Hilton.

Auf www.arte.tv, 360 Grad Reportage, gab es am 21.10.2013 eine Doku-Sendung zum Thema Goldenes Dreieck; ebenfalls hörenswert die Sendung vom 24.06.2014 auf www.ndr.de mediathek: das Goldene Dreieck.
Link-, Medien- und Literaturverweise:
www.arte.tv, www.ndr.de


YABA PILLS

Im Gegensatz zu fr√ľher hat der Heroinkonsum in Thailand nicht mehr die zentrale Bedeutung. Heute werden zumeist synthetische Mittel auf Methamphetamin-Basis in Massen in Umlauf gebracht. Oft wird noch Koffein zugemischt. Zumeist in Myanmar und Laos, in kleinen Werkst√§tten, werden diese Suchtmittel zusammengebraut und durch organisierten Schmuggel √ľber die tausende von Kilometern langen, gr√ľnen Grenzen, kaum kontrollierbar, ins Land gebracht. Beg√ľnstigt wird die Herstellung der kurz Yaba Pills genannten Suchtmittel durch frei zug√§ngliche, preiswerte Pharmarka.

Anbetrachts √ľberbelegter Gef√§ngnisse, immerhin sitzen √ľber 60 % Insassen ein wegen Drogendelikte, √ľberlegt das Department of Corrections (Justizvollzug), neue Wege zu gehen. In Diskussion ist u.a., Gef√§ngnisse "light" f√ľr minder schwere F√§lle einzurichten. Ferner kamen Anfang 2018 Stimmen auf, um den CANNABIS-Anbau und -Konsum zumindest in Teilen zu legalisieren. Hier folgt die Diskussion den aktuellen Bestrebungen in den USA und in Kanada.

In meinem ebook √ľber das Frauengef√§ngnis in Chiang Mai sind weitere Ans√§tze zur Haftreduzierung von Drogent√§tern nachzulesen.
Anfang Juli 2016 gab der amtierende Justizminister von Thailand √∂ffentlich zu, da√ü die bisherigen Ma√ünahmen zur Reduktion von Drogenkonsum und -Schmuggel nicht den gew√ľnschten Erfolg brachten.
Ob diese Aussage zu anderen konkreten staatlichen Ma√ünahmen f√ľhren wird, bleibt abzuwarten.

Aktuelle Meldungen zu Drogenproblemen in Thailand stelle ich jeweils nachlesbar ein auf meinen google+ account reinhardservas.